Malaysia

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Der Weg ist das Ziel

Malaysia ist geographisch zweigeteilt: Der Ostteil liegt auf der Insel Borneo, der Westteil auf der malaiischen Halbinsel. Dazwischen: 600 Kilometer südchinesisches Meer und mehr.

Während Borneo mit seinen Orang Utans und Kopf jagenden Ureinwohnern den Charme von Abenteuer und Ursprung versprüht, zeigt sich Westmalaysia um Ecken moderner und völlig anders. Vor allem K. L. - wie man  Kuala Lumpur in Anlehnung an Metropolen wie L. A. gerne nennt. Auf dem Kuala Lumpur International Airport, einem der modernsten Flughäfen der Welt, erhaschen sowohl Ost- als auch West-Malaysia-Besucher den ersten Blick auf ihr Reiseland, bevor der Weg dann in alle beliebigen Richtungen fortgesetzt wird. Der unsere führt zu den „Höhepunkte Westmalaysias“, die da wären: die pulsierende Metropole Kuala Lumpur, die Küsten und Inseln im Osten, dichte tropische Regenwälder im Landesinneren, die verträumten Bergregionen mit weiten Teeplantagen in den Cameron Highlands. Ein Kaleidoskop Malaysias.

Kuala Lumpur ist hip und trendig, bietet unzählige Hotels, Garküchen und Esstempel der Extraklasse und ist so gar nicht das, was man von einem muslimischen Land erwartet. Kopftücher: nur ab und an. Toleranz von allen Seiten, ein herzliches Willkommen. Je weiter die Reise ostwärts führt, desto näher kommt Malaysia jedoch an die Anfangserwartung heran. Der Ost-West-Unterschied innerhalb Westmalaysias ist mindestens so groß, wie der zwischen Borneo und der malaiischen Halbinsel. Malaysia ist ein Schmelztiegel verschiedener Nationalitäten und Lebensweisen, deren Mannigfaltigkeit sich in der Architektur, der Musik und der Küche des Landes widerspiegelt. Den größten Bevölkerungsteil stellen mit 58 Prozent die Malaien, aber viele Einwohner kommen auch aus China (27 Prozent) und Indien (8 Prozent). Moghan, unser Guide, ist Inder – unsere Tour in mancherlei Hinsicht daher indisch gefärbt. Primär indische Küche begleitet uns während der acht Tage. Als wir in der Stadt Ipoh den chinesische Höhlentempel Sam Poh Tong besuchen und gerade ein großes Glaubensfest stattfindet, kann Moghan als Hinduist nur mutmaßen, welcher Anlass dies sein könnte. Tausende Menschen pilgern zu riesigen Feuerstellen, tragen in den  Händen Miniaturversionen von Häusern, Louis-Vuitton-Taschen, Sportwägen und  Wohnungseinrichtungen – aus Karton. „Vielleicht ist gerade das chinesische Fest der hungrigen Geister“, mutmaßt Moghan. Das ist eines der Hauptevents der chinesischen Gemeinden in Malaysia. „Die Chinesen glauben, dass sich für einen Monat die Höllentore öffnen, um tote Seelen freizugeben, die dann durch die Straßen streifen. Die Menschen sind dann bemüht, böse Geister zu besänftigen. Unglaublich viel ,Höllengeld` wird dafür bezahlt.“ Mit „Höllengeld“ sind die niedlich aussehenden Pappobjekte gemeint. Wie sich bei anschließender Recherche herausstellt, war es aber nicht das Fest der hungrigen Geister – das ist erst im August. Aber bei einer derartigen Religions- und Göttervielfalt ist eine genaue Kenntnis aller Festtermine wahrscheinlich auch nur bedingt möglich. Der Islam ist jedoch Staatsreligion und Muslime werden auch bewusst staatlich bevorzugt; z.B. bei der Vergabe von Studienplätzen – den Malaien werden 54 Prozent der Plätze gesichert.   

Bei einem Tagesausflug kann man von Kuala Lumpur aus an die Südwestküste in die historische Stadt Melaka fahren. Die Hauptstadt des gleichnamigen Staates war heiß begehrt und im Laufe der Geschichte von Portugiesen, Briten und Holländern besetzt. Das schmucke Zentrum befindet sich um den bordeauroten Holländer-Platz. Rot wohin das Auge blickt. Bis auf ein paar Ausreißer. Vor der roten Christus-Chirche rollen ein paar knallgelbe Fahrrad-Rikschas vorbei, mit bunten Plastikblumen verziert – Musikbeschallung inklusive. Oberhalb des Platzes liegt der St. Paul’s Hügel, wo die portugiesische Festung „A Famosa“ errichtet worden war. 

Wer weiter gen Westen reist, erfährt einmal mehr, dass der Weg schon das Ziel sein kann. Die Fahrt über die Cameron Highlands erweist sich als Sehenswürdigkeit an sich. Viele Möglichkeiten für großartige Fotostopps; die satt-grünen Teeplantagen schmiegen sich in das Hügelland. Ziel ist Penang – eine von Malaysias bekanntester Destination. Über eine 13,5 Kilometer lange Brücke geht es vom Festland auf das Eiland. Einst beliebte Touristeninsel, ist Penangs Erscheinung heute etwas angestaubt. Vor allem der Badeort Batu Ferringhi, in dem ein Hotelbunker sich an den nächsten reiht. Auch der Strand an sich ist weniger ein Badestrand, als eher ein Spazierstrand. Durch die Industrie, die sich im Laufe der Jahre hier angesiedelt hat, hat das Wasser an Badequalität eingebußt. Aber die Hauptstadt Georgetown ist durchaus sehenswert und nicht weit vom Zentrum befindet sich der Kek Lok Si Tempel – allein seinetwegen lohnt sich ein Abstecher auf Penang. Er ist der größte und schönste buddhistische Tempelkomplex Südostasiens – auch als Tempel der 1000 Buddhas bekannt.

Badeurlauber zieht es aber mehr auf das weiter nördlich gelegene Langkawi. Wer aber schon viel in Sachen Strand gesehen hat und Idylle pur sucht, ist im Osten noch besser aufgehoben. Von Kuala Besut oder Kota Bharu in der Provinz Terengganu kann man per Speedboot tolle Inseln anfahren und verweilen. Auf den beiden Perhentian Inseln finden sich einige der besten Strände Malaysias. Wer nur wenig Zeit hat und dennoch ein bisschen Paradiesfeeling mitnehmen möchte, lässt sich auf die kleine Insel Kapas bringen, die nur sechs Kilometer vom Festland entfernt liegt. Die östliche Seite der malaiischen Halbinsel ist jedoch viel stärker islamisch geprägt. An den Straßen fällt auf, dass neben der malaiischen Nationalflagge – die eine erstaunlich große Ähnlichkeit mit der amerikanischen hat – grüne Flaggen wehen, mit einem weißen Punkt in der Mitte. Diese Flagge steht für die Islam-Partei-Malaysia, die vor allem im Osten für strenge Sitten sorgt. So wurde Kota Bharus Traumstrand Pantai Cinta Berahi, „Strand der leidenschaftlichen Liebe“, von der prüden Regierung kurzerhand in Pantai Cahaya Bulan, „Strand des schimmernden Mondes“, umbenannt, um nur ein Beispiel zu nennen. Weit und breit keine Bar, kein Karaoke-Lokal – nichts, was Touristen anlocken könnte. Angelockt werden sie dennoch: von der landschaftlichen Schönheit des Ostens. Man muss aber respektieren, dass nackte Haut hier nicht allzu gern gesehen wird – schon gar nicht an öffentlichen Stränden. Gast in einem Land zu sein, heißt auch die fremden Sitten zu achten. Wer dies tut, ist überall herzlich willkommen.